Montag, 3. Februar 2014

Die Waschmaschine schlägt beim Schleudern an - Das Waschprogramm läuft zu lange und bleibt vor dem Spülen bzw. Weichspülen stehen - Stoßdämpfer defekt und Heizstab defekt

Bild 1 - Waschmaschine innen
Nachdem wir ja bereits vor ein paar Monaten den Bügel BH aus der Waschmaschine gefischt hatten war soweit erst Mal alles ok. Was uns aber die ganze Zeit aufgefallen ist: Die Waschmaschine macht sehr komische Geräusche beim Schleudern. Es klingt so, als schlägt die Waschtrommel irgendwo an. Da die Wäsche aber trotzdem sauber wurde, haben wir dem erst Mal keine weitere Beachtung geschenkt. Ein Blick ins innere der Maschine war ebenfalls nur wenig aufschlussreich - siehe Bild nebenan. Ich hab mich nicht getraut die Maschine beladen offen anzuschließen und schleudern zu lassen - aber es war auch so erkennbar, dass der Bottich beim Schleudern gegen die Gehäusewand schlägt, siehe Bild 2...
Bild 2 - Anschlagstelle
Vor einer Woche gesellte sich dann aber ein weiteres, gravierenderes Problem hinzu: Nachdem die Maschine wie immer beladen und aktiviert wurde kümmert man sich ja zunächst nicht weiter drum und holt dann irgendwann später die Wäsche heraus. Leider war es aber so, dass zu einem späteren Zeitpunkt die Maschine stehen geblieben war - Auf dem Display der Timer-Einstellung leuchtet eine 4 und die Lampe "Trocknen" blinkt. Ich hab davon ein kleines Video gemacht. Man glaubt dann zunächst daran, dass die Maschine aus irgendeinem Grund nach dem Spülen und vor dem Weichspülen stehengeblieben sein muss - ein Blick in die Waschmittelschublade aber verrät, dass der Weichspüler noch drin ist - also wurde auch noch nicht weichgespült. Es gab aber einen einfachen Workaround: Man drückt einfach noch Mal auf "Start" und schon geht es weiter mit dem Spülprogramm gefolgt vom Weichspüler, Schleudern und Fertig. Bei einem der weiteren Waschgänge haben wir auch festgestellt, dass das Wasser in der Maschine steht - wenn man dieses Fehlerbild einzeln im Internet recherchiert wird einem oft suggeriert, dass die Laugenpumpe defekt oder aber der Ablaufschlauch geknickt oder verstopft sei. Da aber die Maschine nach dem erneuten "Start" weiter läuft, konnten wir dies auch ausschließen. Leider ist meine Recherche nach Fehlercodes im Internet für unsere Waschmaschine vom Typ Siemens Wasch & Dry WD 6143 bzw. E-Nr. WD61430 erfolglos. Falls hier jemand noch einen Tipp hat, wie man an die genaue Bedeutung der Siemens Fehlercodes kommt, bitte unten kommentieren, ich werde diese Info mit in den Artikel aufnehmen. In einem Forum zum Thema Waschmaschinen hatte jemand den Hinweis, dass es vom Antriebsmotor kommen würde - das stellte sich aber später als "falsch" heraus. Ich musste mich also zunächst selbst um eine weitere Analyse kümmern.

video



Stoßdämpfer der Waschmaschine wechseln

Bild 3 - Stoßdämpfer
Meine erste Theorie war, dass vielleicht durch das Anschlagen beim Schleudern der Motor oder doch die Laugenpumpe etwas abbekommen haben könnten. Oder vielleicht schlägt die Maschine mittlerweile so stark an, dass etwas aus Sicherheitsgründen abschaltet? Also kümmerte ich mich als erstes um das Problem mit dem Anschlagen, in der Hoffnung, danach würde die Maschine auch wieder normal weiter laufen. Dazu fand ich im Internet den Hinweis, dass ganz häufig in diesem Fall die Stoßdämpfer getauscht werden müssen, da diese im Laufe der Zeit ihre dämpfende Eigenschaft verlieren und "weich" werden. Die Stoßdämpfer sind bei geöffneter Maschin
e schnell gefunden und bei meiner Maschine einfach ausgebaut, da sie geschraubt sind. (13er Schlüssel bzw. Ratsche mit 13er Nuss und kleinem Verlängerungsstück). Auf den Stoßdämpfern findet sich folgender Aufdruck:
SUSPA Typ 012 HWB 381 0271 AB6 90N 13 00
Auch hier kommt man mit ein wenig Recherche im Netz schnell dahinter, was da wohl ungefähr übersetzt in menschliche Sprache steht: SUSPA ist ein Hersteller für Waschmaschinenstoßdämpfer (engl: Suspension). Es gibt auf der Webseite auch einige wenige Modelle direkt zum Nachbestellen. Diverse Ersatzteilshops im Netz bieten verschiedene Modelle von Stoßdämpfern an - man muss auf folgendes achten: Länge "eingefahren" - Länge "ausgefahren" - Durchmesser der Öffnung für die Schraube sowie "Dämpfung" - diese wird in Newton (N) angegeben. Bei unserer Maschine sind also Dämpfer mit 90 Newton verbaut. Wir erinnern uns an den Physikunterricht: Newton ist die Kraft (Apfel fällt vom Baum und so...). Wie aber finde ich bei dem ausgebauten Dämpfer heraus, ob dieser noch eine Kraft von 90 Newton "benötigt" um bewegt zu werden? Ich konnte den Dämpfer mit etwas Kraft mit der Hand bewegen. Er bewegte sich am Anfang und am Ende etwas schwergängiger, aber gerade in dem Bereich, wo er sich scheinbar in eingebautem Zustand am häufigsten bewegt, lies er sich für mein Gefühl zu leicht bewegen. Aber ich hatte auch kein Vergleichsteil da - also musste ein einfacher Versuchsaufbau her, um möglichst genau zu ermitteln, ob der Stoßdämpfer "ok" oder "total unbrauchbar" ist: An das eine Ende des Stoßdämpfers habe ich ein kurzes Seil geknotet, an dem ein leerer 10-Liter-Eimer befestigt ist. Ich habe dann den Dämpfer ein Stück herausgezogen, damit er nicht am Anschlag ist, wo er noch gut funktioniert, und dann den Eimer mit dem Dämpfer angehoben und so langsam in der Badewanne aus dem Hahn mit Wasser befüllt, bis der Dämpfer sich in Bewegung gesetzt hat. Dann das Wasser abgestellt und mittels der normalen Waage (Personenwaage) ermittelt, dass der Eimer jetzt 3,5 kg wiegt. Mit dem Wasser. Es reicht also aus mit einer Kraft von 3,5 Kilogramm an dem Dämpfer zu ziehen, und er setzt sich in Bewegung und fährt fast bis zum Anschlag raus. Das konnte ja gar nicht richtig sein, denn bei 90N hätten es wohl eher 9 kg sein müssen. Es war also klar, die Dämpfer sind hin. Da Geduld nicht zu meinen persönlichen Eigenschaften zählt, wollte ich sofort Ersatz haben - und habe auch in Mülheim an der Ruhr (Arbeitsplatz) einen dubios wirkenden Ersatzteilhändler ausfindig gemacht. Die normalen Elektrofachgeschäfte können einem hier alle nicht weiterhelfen, bestenfalls teuer beim Hersteller bestellen, etc. Da ich nicht bereit war pro Stoßdämpfer 50 Euro und mehr zu bezahlen, kamen also nur die Internethändler oder eben dieser dubios wirkende Laden in Frage. Nach der Arbeit bin ich kurz hin, und man hat mir für je 25 Euro zwei Dämpfer "Made in China" verkauft - wie sich später herausstellte hätte ich die identischen Stoßdämpfer auch im Internet für 15 Euro pro Stück bekommen können - und die Rezensionen zeigen, dass ich da wohl in ein paar Jahren eh neue Dämpfer kaufen muss, da die China-Ware nicht besonders langlebig ist.
Zu Hause angekommen hab ich meinen "Eimer-Test" erneut wiederholt: 10 Liter Wasser müssen es schon sein, damit der Dämpfer fahrt auf nimmt. Ein merklicher Unterschied zu den alten Dämpfern war also klar vorhanden. Jetzt zack zack, Dämpfer eingebaut, gut festgeschraubt, und einen Funktionstest gemacht: Ein paar Handtücher nur kurz durchweicht und dann auf Schleudern gedreht. Und siehe da, es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Kein Schlagen, kein Schwingen, sie läuft sehr sehr ruhig. Das Problem haben wir also schon mal gelöst! Aber, zu früh gefreut...

Die Maschine läuft viel zu lange und bricht im Waschprogramm ab

Bild 4 - Heizstab
...denn die Maschine bleibt immer noch stehen, wenn man sie normal in Betrieb nimmt. Ich muss also weiter forschen. Dazu hab ich die Maschine mit einer Ladung Handtücher erneut  in Betrieb genommen und auf 60 Grad gestellt. Nach über 2 Stunden lief die Maschine immer noch im Programmteil "Waschen" - das konnte schon nicht richtig sein. Ich schaute dann alle 15 Minuten nach der Maschine und irgendwann war sie wieder mit dem bekannten Fehlerbild aus dem Video oben stehengeblieben. Ich schaltete die Maschine aus, öffnete die Türe und zu meiner Überraschung war die Wäsche kalt! Hätte die nicht 60 Grad warm sein sollen? Also einen weiteren Test gestartet: Maschine leer auf 60 Grad gestellt. Wasser läuft ein, ich warte ca. 5 Minuten, schalte die Maschine aus, öffne die Türe, halte meine Hand ins Wasser: kalt. Wir kommen der Sache näher - ich vermutete, dass Waschmaschinen einen bestimmten "Timer" für den Programmteil "Waschen" haben - dieser Timer wird aber erst gestartet, wenn die Maschine die eingestellte Temperatur erreicht hat. Da unsere Waschmaschine scheinbar nicht heizt, wird auch die Temperatur nie erreicht, die den Timer startet - und irgendwann nach mehreren Stunden scheint dir Maschine eine Art "Notabschaltung" durchzuführen - und bleibt mit dem Fehlerbild wie oben stehen. Meine Vermutung also ist: Der Heizstab ist kaputt. Vielleicht ist er kaputt gegangen, weil die Maschine so stark angeschlagen war als Folgefehler durch die kaputten Stoßdämpfer? Ich werde dies wohl nie erfahren. Wie man den Heizstab ausbaut habe ich ja in einem früheren Artikel schon beschrieben. Wie aber finden wir raus, ob wirklich der Heizstab defekt ist, oder vielleicht doch die Elektronik der Waschmaschine? Klar, ein Weg wäre, sich einfach einen neuen Heizstab zu kaufen, austauschen, und schon weiß man mehr. Aber es muss doch auch möglich sein, den Heizstab selbst zu prüfen. Vielleicht ist ja auch der Temperatursensor kaputt und er möchte deshalb nicht heizen? Fragen über Fragen, also der Reihe nach - Wie teste ich den Heizstab?
Bild 5 - Heizstab "verkalkt" - Waschmittelrückstände
Dazu hab ich mir kurz verdeutlicht, wie der Heizstab funktioniert: Es werden laut Aufschrift 230 Volt angelegt und dann mit 2000 Watt geheizt. Da die Umwandlung von Strom in Wärme mit einem Wirkungsgrad von fast 100% abläuft, konnte man recht schnell den fließenden Strom berechnen: 2000 Watt / 230 Volt = 8,7 Ampere. Wie wir aus dem Physikunterricht ja wissen, gibt es noch das Ohmsche Gesetzt: U=R*I - Oder andersherum: R=U/I - In meinem Fall bedeutet dies, dass der Widerstand des Heizelements also in etwa bei 230V/8,7A liegen sollte - also bei etwa 26 Ohm. Da sich der Widerstand beim Aufheizen verändert und somit vermutlich am Anfang ein höherer Strom fließen wird, könnte der Widerstand auch niedriger sein - aber messen wir doch einfach mal nach: NICHTS. Das Multimeter misst nichts - also --- im Display, nicht 0 :). Ein unendlich großer Widerstand - daraus folgere ich, der Heizstab ist im inneren kaputt oder gebrochen. Es kann kein Strom fließen. Und was ist mit dem Temperatursensor? Ein wenig Recherche brachte mich dahinter, wie die Dinger funktionieren. Es ist ein so genannter NTC - Eine Funktionsprüfung ist relativ einfach machbar: Widerstand messen. Je wärmer der Sensor wird, desto geringer sollte der Widerstand sein. Es reicht aus, den Sensor an ein Multimeter anzuschließen, auf kOhm gestellt, und dann den Sensor angefasst - und siehe da, der Widerstand fällt. Der Sensor ist also noch in Ordnung. Diesen Test hätte ich mir aber auch schenken können, denn bei meiner Waschmaschine sitzt der Temperatursensor im Heizelement mit drin - und wird mit ausgetauscht. Also schnell "einfach" den passenden Heizstab neu beschaffen. Diesmal wollte ich aber nicht erneut in den dubiosen Laden in Mülheim an der Ruhr; Und die ganzen Online-Shops erscheinen mir auch wenig seriös. Ich schaute mich also nach einem gut bewerteten Geschäft mit Ladenlokal um - und wurde fündig. Im Webshop von White Parts konnte ich auch schon einen Heizstab ausfindig machen - die Details von dem defekten Heizstab lauten: Heckmann US70 SHK 07123 230V 2000W RU - Und per Email teilte man mir mit, ich könne direkt vorbei schauen und abholen. Preis ca. 15 Euro. Also nix wie los, ab ins Auto und nach Hilden zu https://www.white-parts.de/ - Ein sehr freundliches Gespräch später und ohne jegliche Wartezeit konnte ich bei Frau Genge den neuen Heizstab mitnehmen. Ich hatte natürlich auch den kaputten dabei und wir unterhielten uns noch kurz über die in meinen Augen relativ geringe Verkalkung (siehe Bild 5). Dabei habe ich gelernt, dass es sich kaum um Verkalkung sondern eher um Ablagerungen vom Waschpulver handelt. Die ganzen "Märchen" von durch Kalk zerstörten Waschmaschinen lösten sich nach wenigen Minuten in reine Reklame auf - vielen Dank für diese Information an White Parts - auch bei Facebook zu finden: https://www.facebook.com/ersatzteilshop - diese Werbung musste einfach sein - denn ich wurde so gut beraten und wir unterhielten uns noch eine ganze Weile vor Ort über Recycling und Reparaturmöglichkeiten - bei White Parts ist man sehr bemüht, alle nur erdenklichen Ersatzteile für Haushaltsgeräte zu beschaffen. Also ein Anruf lohnt sich immer. Ich erzählte Frau Genge dann noch kurz über das RepairCafe in Düsseldorf - dazu aber in einem späteren Artikel mehr. Aus reinem Interesse fragte ich nach dem Preis für die bereits andernorts gekauften Stoßdämpfer: Ich hätte hier für "verlässliche" Stoßdämpfer nur 15 Euro pro Stück bezahlt - und fühlte mich von dem Geschäft in Mülheim erneut "übers Ohr gehauen"...
Mit dem Heizstab in der Tasche ging es also wieder nach Hause und noch am selben Tag lief die Waschmaschine wieder einwandfrei. Da sich das alles bereits vor fast halben Jahr zugetragen hat kann ich aus heutiger Sicht klar sagen: Heizstab und Stoßdämpfer auszutauschen hat der Waschmaschine das Leben klar verlängert - und ich würde immer wieder selbst schauen, ob ich ein defektes Haushaltsgerät nicht repariert bekomme...





Kommentare:

Steffen Breitrück hat gesagt…

Endlich ein Blog, dem ich sinnvolles Wissen entnehmen kann, danke Zaubiii :P

E.Teiler hat gesagt…

Guter und detallierter Beitrag. Leider hat man immer Probleme mit Waschmaschinen. Ich bestelle immer Waschmaschinen Ersatzteileeile auf Ersatzteile Shop günstig und repariere es selbst.

Waschmaschinen Teile Shop hat gesagt…

Guter Artikel.
Danke.